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Oybin - Dissertationen über die Burg- und Klosteranlage

Drei Dissertationsvorhaben zu Burg und Kloster Oybin, Kr. Löbau Zittau

Bild: Burg und Kloster Oybin. Bild O. Braasch

Burg und Kloster Oybin. Bild O. Braasch 
(© Landesamt für Archäologie)

Die Ruinen von Burg und Kloster Oybin erheben sich auf einem imposanten Sandsteinfelsen des Zittauer Gebirges, südlich der Stadt Zittau im Dreiländereck zu Polen und Tschechien. Die für Deutschland einzigartige Anlage liegt an einer wichtigen mittelalterlichen Wegeverbindung von der Ostsee nach Prag. Spuren frühester Besiedlung datieren bereits in die Bronze- und Eisenzeit, während die älteste überlieferte Namensform des Berges slawischen Ursprungs ist: Moibin - Ort des Mojba. Das Geschick des Oybin ist unmittelbar mit der Herrschaft Kaiser Karls IV. (1316-1378) verknüpft. Seit 1347 regierte er als deutscher Kaiser und durch Erbrecht als böhmischer König in Personalunion. Nach Gründung einer Residenz auf dem Oybin stiftete er 1369 ein Coelestinerkloster auf dem Berg, die erste derartige Niederlassung im heutigen Deutschland überhaupt.

Vom Dorf Oybin führt ein schmaler Zugang durch eine tiefe Felsspalte zur Vorburg. Der Weg in die Hauptburg ist durch Mauern und drei befestigte Tore gesichert. Auf dem Burghof bilden die Ruinen des Amtshauses und der so genannte Wohnturm der Herren von Zittau einen Blickfang. Das stattlichste Gebäude ist freilich das so genannte Kaiserhaus. Seine Ruinen erheben sich über einer steilen Felswand neben dem Wohnturm. Der zweistöckige gotische Bau wurde für Kaiser Karl IV. errichtet. Während die Anlage als Kloster genutzt wurde, diente ein Teil dieses Gebäudes den Mönchen als Refektorium.

Die Ruinen der Klosterkirche mit Wenzelskapelle hinterlassen einen unvergesslichen Eindruck, der schon die Maler der deutschen Romantik faszinierte. Zu den beindruckendsten Bauleistungen gehört die hochgotische Kirche mit einer südlichen Kirchwand, die direkt aus dem Felsen gehauen worden ist. Die Jesuiten lösten das Kloster 1556 auf und brachten die wertvolle Ausstattung nach Prag. Ein großer Brand 1577 und ein Felssturz im Jahr 1681 vollendeten Niedergang und Zerstörung. Noch heute liegen die hausgroßen herabgefallenen Felsen zwischen den Gebäuden der Anlage. Der Oybin geriet über lange Zeit in Vergessenheit, bis er in der Romantik wiederentdeckt wurde. Zu den prominentesten Besuchern gehörte Caspar David Friedrich (1774-1840), der Eindrücke und Baudetails in sein malerisches Œuvre einfließen ließ.

Die seit 1992 laufenden Sanierungsmaßnahmen auf dem Oybin werden systematisch durch Ausgrabungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen begleitet. Zu den aufschlussreichsten Funden gehört ein aufwändig gearbeiteter Ofen aus polychrom glasierten Kacheln mit Darstellungen von religiösen und profanen Motiven sowie ein Komplex Harnischfragmente aus der Zeit um 1500. Den gehobenen Lebensstandard der ehemaligen Bewohner beweist eine Fußbodenheizung des 14./15. Jahrhunderts. Das breite Spektrum der bislang ergrabenen Sachkultur belegt ausgeprägte Beziehungen nach Schlesien, Böhmen und in die Oberlausitz.

Im Rahmen dreier interdisziplinär ausgerichteter Dissertationen wird das reiche archäologische, historische und kunsthistorische Quellenmaterial des Oybin nun systematisch erforscht:

  • Die Mittelalterarchäologin Joanna Wojnicz arbeitet beim Landesamt für Archäologie Sachsen. Sie bearbeitet die Baugeschichte auf Basis archäologischer Funde und Befunde sowie die materielle Sachkultur der archäologischen Ausgrabungen auf dem Oybin vom 19. Jahrhundert bis zum Jahre 2002. Ihre Dissertation »Burg und Kloster Oybin: Eine archäologische Studie« wird von Prof. Dr. Hanna Kòčka-Krenz an der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań (Posen) betreut.
  • Der in Dresden lebende Historiker Christian Speer hat in seiner Doktorarbeit (Ratsherren und fromme Bürger. Frömmigkeitspraxis und städtische Politik in Görlitz zwischen 1300 und 1550 [Uni. Dissertation Regensburg 2009]) den Cölestiner-Mönchen vom Oybin ein eigenes Kapitel gewidmet. In diesem kann er zeigen, welch hohe Bedeutung die städtischen Eliten diesem Orden zumaßen, wenn es um die Ausgestaltung ihrer Frömmigkeitspraktiken (Schenkungen, Stiftungen, Gebetsgedenken, Fürbitten) ging. Des Weiteren kann er darlegen, dass weniger die religiösen Transformationsprozesse der Reformation als vielmehr wirtschaftliche Schwierigkeiten das Ende des Konventes im Laufe des 16. Jh. besiegelten. 
  • Der Kunsthistoriker Richard Němec verfasste bereits seine Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte an der Prager Karls-Universität über die Baugeschichte der Klosterkirche auf dem Oybin. Eine Publikation der Arbeit befindet sich für den nächsten Band der Arbeits- und Forschungsberichte zur Sächsischen Bodendenkmalpflege in Vorbereitung. In seiner Dissertation zum Thema »Die Residenzanlagen Kaiser Karls IV. als Herrschaftsinstrument. Die Beispiele Böhmen, Oberpfalz, Zittauer Land, Oberlausitz und Mark Brandenburg« an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg im Breisgau bei Prof. Wilhelm Schlink vertieft er seine Thesen im überregionalen Kontext.

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