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Archiv 2018

26.06.2018 - Landwirtschaft und archäologische Denkmalpflege auf neuen Pfaden

Bild

Bronzezeitliches Brandgrab (1300-800 v. Chr.) von Weißkollm (Kr. Bautzen) mit Zerstörungsspuren durch den Bodenmeißel.
(© Landesamt für Archäologie)

Große Chancen des »Precision-« oder »Smart Farming« für die Denkmalpflege.

Welche Folgen eine zu tiefe Bodenbearbeitung für unser archäologisches Erbe haben kann, ist längst bekannt. Immer wieder lassen sich bei Ausgrabungen die Spuren von Bodenmeißel, Pflug oder Tiefengrubber beobachten. Deshalb sucht das Landesamt für Archäologie Sachsen nach neuen Lösungen, um Schutz und Bewirtschaftung in Einklang zu bringen. Dabei bieten vor allem »Precision-« oder »Smart Farming« auch der Denkmalpflege große Chancen.

Bild: Herr Steffen Schmieder von der Hansenhof-electronic GmbH erläutert die Umbaumaßnahmen am Grubber.

Herr Steffen Schmieder von der Hansenhof-electronic GmbH erläutert die Umbaumaßnahmen am Grubber. 
(© Landesamt für Archäologie)

Die automatisierte Reduzierung von Bearbeitungstiefen über Schutzflächen stellt einen Weg zu einem standortangepasstem, denkmalverträglicherem Verfahren der Bodenbearbeitung vor der Feldbestellung dar. Nach mehr als zwei Jahren ist ein Etappenziel erreicht: Der EXAgT GbR »Büro für präzise Agronomie«, der Hansenhof-electronic GmbH und dem Landwirtschaftsbetrieb Hofgut Raitzen Drs. Kübler GbR ist es nicht nur gelungen, archäologische Denkmale in die betriebliche Datenverwaltung zu integrieren und dem Schlepperterminal Arbeitsaufträge zur Tiefenreduzierung zu erteilen, sondern auch den Grubber anzusteuern und die Tiefenführung automatisch über Sperrflächen anzupassen. Dafür musste allerdings der »Tiger« der Firma Horsch, der bis zu 40 cm Arbeitstiefe erreicht, erst umgebaut werden. Die Ergebnisse des Projektes »Entwicklung und praxisnahe Anwendung eines Precision Farming-Systems zur Sicherung flächenhafter Schutzgüter (z. B. archäologische Bodendenkmale) auf ackerbaulich genutzten Flächen« konnten am 18.06.2018 auf dem Hofgut Raitzen (Kr. Nordsachsen) erstmals vorgestellt werden. Auf den Schlägen des Betriebes liegen zwölf Denkmalflächen vollständig oder anteilig. Darunter ist auch eine trapezförmige Grabanlage der mittleren Jungsteinzeit aus der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. Neben der Bodenbearbeitung dient das Verfahren auch dem gezielten Einsatz von Pflanzenschutz und Düngung. Können flächenhafte Schutzgüter wie Blühstreifen oder Lerchenfenster gezielt ausgespart werden, spart der Landwirt gleichzeitig Betriebsmittel.
 
Bild: Die trapezförmige Grabanlage aus der mittleren Jungsteinzeit auf dem Mühlberg bei Bloßwitz (Gde. Stauchitz, Kr. Meißen) zeichnet sich sogar im Mais hervorragend ab und kann künftig bei der Bewirtschaftung flächengenau berücksichtigt werden.

Die trapezförmige Grabanlage aus der mittleren Jungsteinzeit auf dem Mühlberg bei Bloßwitz (Gde. Stauchitz, Kr. Meißen) zeichnet sich sogar im Mais hervorragend ab und kann künftig bei der Bewirtschaftung flächengenau berücksichtigt werden. 
(© Landesamt für Archäologie)

Wir danken der EXAgT GbR, der Hansenhof-electronic GmbH und den Landwirtschaftsbetrieben Hofgut Raitzen GbR sowie Agrar AG Ostrau für die große Aufgeschlossenheit sowie enge Zusammenarbeit und hoffen, dass der innovative Ansatz bei Landmaschinenherstellern, Landwirten und nicht zuletzt in der archäologischen Denkmalpflege auf Interesse stößt. Dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gilt unser großer Dank für die langjährige, fachübergreifende und intensive Kooperation.
Das Projekt ist ein Vorhaben nach der Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Förderung der Landwirtschaft, der Europäischen Innovationspartnerschaften (EiP AGRI) und des Wissenstransfers einschließlich Demonstrationsvorhaben im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen (Förderrichtlinie Landwirtschaft ,Innovation, Wissenstransfer-RL LiW/2014). Teil: Europäische Innovationspartnerschaft »Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit« (EIP AGRI) vom 15.12.2014. Projektabschluss ist Ende 2018.

 

M. Strobel

 


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© Landesamt für Archäologie