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Luftbildarchäologie

Archäologie aus der Luft

Bild: Luftaufnahme der Slawenfestung »Gana« bei Hof/Stauchitz, Lkr. Nordsachsen.

Luftaufnahme der Slawenfestung »Gana« bei Hof/Stauchitz, Lkr. Nordsachsen. 
(© Landesamt für Archäologie)

Die Luftbildprospektion gehört zu den Methoden der Archäologie, die in Sachsen erst nach der Wende möglich wurden. Sie setzt einen sehr flexiblen, vom Pflanzenwachstum und den Wetterbedingungen abhängigen und kurzfristig planbaren Einsatz eines kleinen Sportflugzeuges voraus.

In den 90er Jahren nahm sich Otto Braasch, der altgediente Experte der deutschen Luftbildarchäologie, dieser Aufgabe für Sachsen an. In wenigen Jahren entdeckte er mehr als 3000 neue Fundstellen und erweiterte damit die Kenntnis der archäologischen Landschaften erheblich.
Seit 2001 führt das Landesamt für Archäologie die Bildflüge in eigener Regie durch. Dazu wird eine Cessna 172 oder ein Ultraleichtflugzeug gechartert, und der mit Karten und Kameras ausgerüstete Archäologe geht in 300-400 m Höhe auf Fundstellensuche. Die Ziele sind die Kontrolle und fotografische Erfassung oberirdisch sichtbarer, archäologischer Denkmale, die Dokumentation aktueller, großflächiger Ausgrabungen und die Prospektion bislang unbekannter Fundstellen.

Das Luftbildarchiv des Landesamtes für Archäologie verfügt zur Zeit über mehr als 80 000 Luftbilder, die als Farbdia oder Schwarzweißnegativ vorliegen.


Bild: Bewuchsmerkmale: ehemalige, heute eingeebnete, Gräben verursachen einen anderen Wachstumszyklus der darüber wachsenden Pflanzen, der sich durch unterschiedliche Färbung und Wuchshöhen ausdrückt. Das Beispiel zeigt den Befund bei einem Kreisgraben, der zu einer spätneolithischen Bestattung (um 2500 v. Chr.) gehören dürfte. Foto: 23.06.2005

Bewuchsmerkmale: ehemalige, heute eingeebnete, Gräben verursachen einen anderen Wachstumszyklus der darüber wachsenden Pflanzen, der sich durch unterschiedliche Färbung und Wuchshöhen ausdrückt. Das Beispiel zeigt den Befund bei einem Kreisgraben, der zu einer spätneolithischen Bestattung (um 2500 v. Chr.) gehören dürfte. Foto: 23.06.2005 
(© Landesamt für Archäologie)

Die Flugprospektion (Erkundung noch unbekannter Denkmale) basiert auf der Tatsache, dass die Eingriffe des Menschen in die Erde die Bodenstruktur verändern. Dort, wo sich heute verfüllte Gräben und Gruben befinden, speichert der Boden geringfügig mehr Wasser und bietet den Pflanzen gute Wachstumsbedingungen; dort, wo Wege den Boden verdichten oder Fundamente für einen steinigen Untergrund sorgen, ist das Pflanzenwachstum gehemmt. Diese kleinräumigen Unterschiede im Wachstumszyklus der Pflanzen lassen sich aus der Luft als Farbunterschiede oder Höhendifferenzen erkennen. Besonders deutlich treten die Merkmale bei einjährigen Pflanzen auf, insbesondere bei Getreide, Mais und Rüben, wobei sich das individuelle Wachstumsverhalten jeder Pflanze wie der Bildpunkt eines Digitalbildes verhält.
Bild: Ausschnitt aus dem Flugtrack vom 09.06.2008 zwischen Meißen und Döbeln in Mittelsachsen.

Ausschnitt aus dem Flugtrack vom 09.06.2008 zwischen Meißen und Döbeln in Mittelsachsen. 
(© Landesamt für Archäologie)

Die Flugroute wird mittels GPS (Global Positioning System) aufgezeichnet. Das erleichtert einerseits die Auffindung bestimmter Denkmale während des Fluges, andererseits die Lokalisierung der entdeckten und fotografierten Bewuchsmerkmale. Die Fotos werden im Nachgang digitalisiert und entzerrt. Damit lässt sich der Befund mit dem Kartenblatt zur Deckung bringen.

Literaturempfehlung

Aus der Luft - Bilder unserer Geschichte.

Hrsg. Landesamt für Archäologie, Dresden 1997.

Preis: 9,50 €

Dieses reich bebilderte Buch zur Geschichte der Luftbild-Archäologie können Sie direkt bei uns bestellen.


Dr. habil. Ronald Heynowski

Referatsleiter Inventarisation / Dokumentation

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