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Archiv 2010

02.02.2010 - Von Gruben und Häusern – Archäologie an der B 169

Bild

Prospektionsschnitte in der Abendsonne im Bereich des Knotens Seerhausen.
(© Landesamt für Archäologie)

Im Vorfeld von Umverlegung und Ausbau der B 169 zwischen Riesa und dem Übergang zur B6 bei Seerhausen wurde das gesamte Baufeld von August bis Weihnachten 2009 durch das Landesamt für Archäologie auf vorgeschichtliche und mittelalterliche Besiedlungsspuren untersucht.

Die künftige, ca. 5. km lange vierspurige Bundesstraße verläuft zwischen den Talauen von Jahna und Döllnitz durch eine Altsiedel- landschaft, die seit der Jungsteinzeit von bäuerlichen Gemeinschaften genutzt wurde. In dem dichten Suchschnittraster kamen dabei gleich an mehreren Stellen Befundverdichtungen zum Vorschein, die sich als kleinere Grubenkonzentrationen und Reste gehöft- oder weilerartiger Siedlungen erwiesen, die bislang völlig unbekannt waren. In zwei größeren Bereichen wurde die Straßentrasse daher flächig geöffnet. Dort fanden sich Spuren von Pfosten sowie Gruben verschiedener Funktionen. Besonders hervorgehoben sei ein ca. 4,6 x 2,6 m großer Grundriss aus sechs Pfosten, der als Speicherbau gedeutet werden darf.

Bild: Verfüllung einer eisenzeitlichen Grube.

Während nach einer ersten Materialdurchsicht ein Teil der Befunde sicherlich in die Jung- bronzezeit datiert werden kann, weisen einige stichband-keramische Befunde auf eine jungsteinzeitliche Pioniersiedlung weit im Vorfeld der Lößrandstufe hin. Aus einer großen Vorratsgrube stammen zahlreiche Scherben der älteren vorrömischen Eisenzeit. Siedlungen dieser Zeitstellung sind außerhalb des Elbkorridors immer noch außer- ordentlich selten.

Bild: Zeichnerin bei der Dokumentation eines Befundes.

Die Untersuchungen offenbaren für die Jungbronzezeit und ältere Eisenzeit ein Siedlungsmuster, das bereits in anderen Regionen Sachsens herausgearbeitet werden konnte und durch weilerartige Kleinsiedlungen und Einzelgehöfte charakterisiert ist. Offenbar erfolgte die Durchdringung der Landschaft schubweise für mehrere Jahrzehnte, zwischen denen oft Jahrhunderte vergangen sein konnten, in denen der Raum weitgehend siedlungsleer war.

Rebecca Wegener M.A.

Archäologin

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