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Archiv 2008

04.06.2008 - Archäologische Untersuchungen im Erdgeschoss des Mathematisch-Physikalischen Salons im Dresdner Zwinger

Bild

Referatsleiterin Dr. Christiane Hemker erläutert den Medienvertretern die Befunde im Mathematisch-Physikalischen Salon.
(© Landesamt für Archäologie)

Seit Mai führt das Landesamt für Archäologie Ausgrabungen im Vorfeld weiterer Baumaßnahmen im Erdgeschoss des Mathematisch-Physikalischen Salons im Zwinger durch. Eine Archäologin und vier Mitarbeiter sind bei den Grabungen im Einsatz.

Überraschend wurde im Zuge der Grabungen die gut erhaltene unterirdische Wasserversorgung einer großen Brunnenanlage mit Kanälen, Zuführungen und Auslässen freigelegt. Sie fanden sich nur wenige Zentimeter unter den neuzeitlichen Bodenplatten. Heute wurden die Befunde und Funde den Medien vorgestellt.

Künstliche Grotte

Der Befund kann eindeutig der originären Raumausstattung des ursprünglich im Erdgeschoss angelegten Grottensaales von 1714 zugeordnet werden. Ein Kupferstich von M. Daniel Pöppelmann aus dem Jahre 1729 zeigt den Grottensaal als überaus reich dekorierten Raum mit stuckverzierter, bunt bemalter Decke und Wänden. Neben der Brunnenanlage an der Stirnwand zeigt der Stich auch ein sogenanntes „Scherzwasser“, dünne Wasserfontänen, die durch Düsen im Fußboden mitten im Raum die Besucher überraschend durchnässten. Johann Christian Crell lobte 1726 den Anblick des Grottensaals, warnte aber auch, der Besucher möge zusehen, „... dass er trocken wieder vom Platze kömmt.“ Balthasar Permoser erschuf mit Apoll und Minerva die Marmorfiguren für die Nischen der Grotte.

Umbau nach Wasserschaden

Im frühen 19. Jahrhundert baute man den Grottensaal um, da die Decke durch die Feuchtigkeit der Wasserspiele beschädigt worden und einsturzgefährdet war. Die bemalte Decke ersetzte man durch ein Kreuzgewölbe, dass von einer Säulenreihe gestützt wird. Die Wandverzierungen wurden vollständig abgeschlagen. Nur die beiden von Permoser geschaffenen Figuren überdauerten bis heute in den Staatlichen Kunstsammlungen.

Bild: Der Grottensaal auf dem Stich M.D.Pöppelmanns um 1729.

Der Grottensaal auf dem Stich M.D.Pöppelmanns um 1729. 
(© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett)

Reich bemalter Stuck

Als archäologischer Glücksfall ist daher der Fund zahlreicher Fragmente der stuckverzierten Raumdekoration in einer Verfüllschicht zu bezeichnen. Die häufig mehrfarbigen und reliefierten Stuckfragmente zeigen u.a. Gesichter, Muscheln oder Architekturdetails, die für die baugeschichtliche Forschung des Dresdner Zwingers von großer Bedeutung sind, da hiermit erstmals Belege der originalen Farbgestaltung des Grottensaales vorliegen.
Auf den Stuckteilen finden sich teilweise noch heute Reste von Glasflitter – hauchdünne Glasplättchen – und Goldbemalung, die der Grotte ihren Glanz verliehen. Crell schwärmte 1726,  hier treffe man mit Hilfe der Kunst Dinge an, die niemand beschreiben könne.

Alte Raumproportionen

Bei den nun laufenden Baumaßnahmen, soll der Saal seine ursprünglichen Proportionen zurück erhalten. Die Säulenreihe mit der Kreuzgewölbe-Decke werden wieder entfernt. Ob die aufgedeckten Befunde und Funde in die Neugestaltung einbezogen werden, bleibt noch zu entscheiden.

Teilnehmer des heutigen Pressetermins:

Herr Ltd. Baudirektor Ludwig Coulin, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement - Niederlassung Dresden I
Dr. Christiane Hemker, Referatsleiterin, Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte
Dr. Michael Kirsten, Stellvertreter der Landeskonservatorin, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen
Dr. Peter Plaßmeyer, Direktor, Mathematisch-Physikalischer Salon der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Dr. Thomas Westphalen, kommissarischer Leiter, Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte


Dr. Christiane Hemker

Referatsleiterin Südwestsachsen: Landkreise Erzgebirgskreis (Altkreise Annaberg, Aue-Schwarzenberg, Mittlerer Erzgebirgskreis, Stollberg), Mittelsachsen (Altkreis Freiberg), Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (Altkreis Weißeritzkreis); Montanarchäologie

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